Juli 2016

UW Ulrichen - Das Unterwerk am Fusse des Nufenenpasses
Hunderte von Touristen nehmen täglich Platz im Glacier Express, dem langsamsten Schnellzug der Welt der Matterhorn Gotthard Bahn und geniessen die einmalige und spektakuläre Strecke durch die Schweizer Alpen von Zermatt / Brig Richtung Göschenen / St. Moritz. Um den genauen Fahrplan einzuhalten, braucht es ausreichend Strom für einen einwandfreien Bahnbetrieb.

Unsere beiden Ingenieure Gianfranco Raimondo und Björn Schärer sind seit ungefähr einem Monat auf Inbetriebnahme eines neuen Unterwerks im Goms. Auf dieser Strecke gibt es seit einiger Zeit etliche Zwischenfälle im Bahnbetrieb, welche einen massiven negativen Einfluss auf den Fahrplan haben.

Eine ungenügende Spannungsqualität auf dem Streckenabschnitt zwischen Niederwald – Oberwald, der höhere Leistungsbedarf aufgrund eines 1/2h-Takts zwischen Brig – Fiesch sowie einen Ausfall der bestehenden Stromeinspeisung reichen aus, um den fahrplanmässigen Betrieb der Matterhorn Gotthardbahn nicht mehr aufrecht erhalten zu können. Es führt zu Geschwindigkeitseinbussen und zum Teil zu Hauptschalterauslösungen auf den Triebfahrzeugen, was schlussendlich stehende Züge bedeutet.

Der rund 65 Kilometer lange Streckenabschnitt Brig-Andermatt, wird zurzeit primär vom Unterwerk Andermatt und zusätzlich vom Unterwerk im Kraftwerk Massaboden versorgt. Diese Versorgung reicht leider nicht mehr aus, um den vollen Leistungsbedarf abzudecken. Hinzu kommt, dass der Furkatunnel in den kommenden Jahren einer Totalerneuerung unterzogen wird.
Aus Redundanzgründen muss der Tunnel ebenfalls von der Seite Goms gespeist werden können. Die bestehende Einspeisung Massaboden ist hierfür jedoch zu weit entfernt.

Somit entschied sich der Kunde MGB zusammen mit SBB am Fusse des Nufenenpasses in Ulrichen ein zusätzliches neues Unterwerk mit einer Leistung von 10MVA zu errichten. Die 132-kV-Anspeisung des neuen UW Ulrichen erfolgt mittels Einschlaufung der 132-kV-Übertragungsleitung von Airolo – Massaboden (Nufenen- und Gommerleitung).

Das Werk auf einer Fläche von 1200 m2 wurde mit einer Gebäudehülle komplett aus Stahl konzipiert, welche mit der Zeit von der Witterung rostet und sich so komplett der Umgebung anpassen soll. Das Gebäude ist auf zwei Etagen eingeteilt. Im Erdgeschoss befindet sich die gesamte GIS-Schaltanlage (Gas Insulated Switchgear) des Lieferanten ABBs. Diese besteht aus zwei Übertragungsleitungsfelder sowie einem Transformatorenfeld. Im Vergleich zu anderen Unterwerken ist dies eher eine kleinere Ausführung.

Zudem befinden sich die von unserem Unterlieferanten Montelec erbauten Steuer- sowie Schaltschränke der beiden Einspeiseleitungen Airolo und Massaboden im EG, welche durch kek geplant wurde. Zurzeit ist es die Aufgabe unserer beiden Ingenieure die Anlage in Betrieb zu nehmen und sorgfältig zu prüfen. Bis zu tausend dieser Signale müssen vorgängig sorgfältig getestet werden, bevor die Anlagen endgültig ans Netz gehen. Für einen sicheren Betrieb werden die Kommunikationseinrichtungen redundant ausgeführt.

Der eingebaute Fahrstromtransformator wurde aus Finnland als ganze Einheit angeliefert. Bereits beim Bau der Gebäudehülle wurde somit ein riesiges Tor erstellt, damit die Anlieferung sowie allfälliger Austausch des Trafos gewährleistet werden kann. Er hat die Aufgabe die eingespeiste Spannung von 132kV auf 11 kV für die Fahrstromleitung zu transformieren.

Im Untergeschoss befindet sich der Batterieraum. Dieser ist mit 2x 54 Stück 2V Batterien (2x 110V Nennspannung) ausgestattet. Er versorgt damit das ganze Leittechnik- und Schutzsystem. Bei einem allfälligen Stromausfall, ergeben die von der „Hausleitung“-gespeisten Batterien Notstrom über 8 Stunden.

Dieses Unterwerk soll nach seiner Fertigstellung wieder eine normgerechte Spannungshaltung und einen regulären sowie sicheren Bahnbetrieb ermöglichen, dass alle Fahrgäste zufrieden und pünktlich an ihr Ziel gelangen.