kek fokussiert: Martin Knobel

Martin, warum machst du heute den Job, den Du heute machst?

Obwohl mir die Berufsberatung eigentlich den Lehrer Beruf empfohlen hatte, habe ich Elektroplaner gelernt. Den Beruf kannte ich vorher nicht, mein Grossvater machte mich damals darauf aufmerksam. Bereits während der Ausbildung war mir aber klar, dass ich meinen Horizont durch ein Studium noch erweitern will. Trotz des grossen Aufwandes entschied ich mich direkt nach dem Lehrabschluss für das 5-jährige berufsbegleitende Studium zum Elektroingenieur mit Fachrichtung Energietechnik. 5 Mal die Woche, jeweils abends und Samstag fanden die Vorlesungen statt. Während meines Studiums arbeitete ich weiterhin als Elektroplaner in der Haustechnik. Es war eine intensive Zeit, aber es hat sich definitiv gelohnt. Direkt nach meinem bestanden Abschluss wechselte ich in die Energietechnik und war bei Alstom für die Planung schlüsselfertiger Unterwerke zuständig. Dort bekam ich die Chance als Projektleiter in Island ein Geothermisches Kraftwerk umzubauen. Das Energieunternehmen in Island suchte nach einigen Jahren jemand der das gleiche Kraftwerk bei der Erneuerung begleitet. Ich nahm die Herausforderung an, machte mich selbständig und so war mein erster eigener Auftrag entstanden.

Welche war die beste Entscheidung in Deiner beruflichen Laufbahn?

Mit dem Einstieg in die Energietechnikhatte ich sicherlich einen guten Riecher. Man hat extrem viele verschiedene Möglichkeiten sich in diesem Bereich zu entwickeln. Zudem bin ich stolz, dass ich den Schritt gewagt habe, im 2000 selbständig zu werden.

Welchen Beruf haben sich Deine Eltern für Dich vorgestellt?

Mein Vater war selbständiger Tiefbauingenieur. In meinen Schulferien durfte ich ihm bei Ausmessungen helfen. Der Beruf als Tiefbauingenieur hat mich aber nie interessiert. Meine Eltern haben mich auch nie auf eine Berufswahl gedrängt.

Was macht Dir an Deinem Job am meisten Spass?

Es gibt stetig immer wieder neue Herausforderungen und Lösungen. Das fordert mich und gefällt mir. Die Arbeiten sind selten repetitiv. Zudem schätze ich die Zusammenarbeit im Team sowie mit den Kunden sehr.

Seit einigen Jahren unterrichtest du als Geschäftsführer von kek nebenbei auch noch an der IBZ-Technikerschule in Bern.

Wie bist du dazu gekommen?

Damals wurde ich per Zufall durch einen guten Kollegen angefragt. Spontan habe ich zugesagt und habe die neue Herausforderung angenommen.

Welche Fächer unterrichtest du?

Meinen Studenten vermittle ich seit 11 Jahren das Fach „Leittechnik und Schutz“. Seit diesem Jahr kam auch noch das Fach „ Anlagenbau“ dazu.

Was magst du beim Unterrichten?

Die Weitergabe von Fachwissen an eine jüngere Generation finde ich toll. Weiter faszinieren mich die Diskussionen mit jungen Berufsleuten.

Wie sieht die Zukunft der Anzahl der Besucher dieses Studienganges aus?

Leider ist die Tendenz eher abnehmend.

Wie erklärt sich das?

Das Image der Elektrotechnik ist vielleicht etwas verstaubt. Lange war dieser Bereich nicht so fortschrittlich oder besser gesagt die Technik war auf eine lange Lebensdauer ausgerichtet. Somit waren die Tätigkeiten auf den ersten Blick nicht wirklich attraktiv bei jüngeren Leuten.

Wie könnte man den Anreiz fördern?

Man muss die Wichtigkeit und die Zukunft dieses Berufs aufzeigen. Mittlerweile gibt es auch in diesem Bereich neue technische Möglichkeiten und es werden Lösungen für alternative Energien gesucht. Die neue Technik hat im Vergleich zu früher eine deutlich kürzere Lebensdauer. Somit braucht es stetig neue Ideen. Durch die Digitalisierung wird auch diese Branche attraktiver und die Energietechnik ist eine spannende Branche mit einer langen Zukunft.

Könntest du dir vorstellen auch wo anders Schulungen anzubieten?

Eine gute Wissensvermittlung ist meiner Ansicht nach extrem wichtig. Es gibt Sicherheit.
Gerne möchte ich diese Sicherheit weitergeben. Deshalb sind wir zurzeit bei kek dran einige Schulungs-Module aufzubauen. Als erstes wollen wir den Bereich Schutz abdecken. Dieses Wissen werden wir gerne unseren Kunden und Interessierten vermitteln. Sobald das Projekt kek-Schulungen ausgereift ist, wird kek gerne ausführlicher informieren. Zurzeit ist die Nachfrage der Fachleute gross, jedoch bietet der Markt wenig entsprechendes Fachpersonal.

Wissen und Erfahrungen weiterzugeben, ist manchmal auch mit Geschäftsrisiko verbunden, wie siehst du das?

Transparenz war für mich immer wichtig. Nur im Austausch und im Wechselspiel mit anderen, auch mit Mitbewerber, können wir unsere Lösungen immer wieder verbessern und uns gemeinsam als Branche und schlussendlich auch als Gesellschaft weiterentwickeln.

Obwohl Strom die Zukunft der Menschen ist, sind Fachkräfte sehr rar auf dem Markt.
Wie erklärt sich das?

Im Gegensatz zur Gebäudetechnik ist die Infrastruktur für die Stromübertragung und –verteilung mit Ausnahme der Freileitungen für die Leute praktisch unsichtbar. Daher ist es schwieriger einen Bezug herzustellen und das Interesse zu wecken.

Wie siehst du die Zukunft der Elektrotechnik Branche?

Immer mehr von unseren alltäglichen Handlungen sind von Strom abhängig. Es funktioniert praktisch nichts mehr ohne Strom. Für die Gesellschaft ist es eine absolute Selbstverständlichkeit geworden, jederzeit genügend Strom konsumieren zu können, dadurch ist die Vorgabe der Versorgungssicherheit sehr hoch. Die Nachfrage der Menge an Strom wächst immer noch. Wenn er nachhaltig produziert (und gespeichert) wird, ist es ein absolut sauberer Energieträger und hat eine grosse Zukunft. Dementsprechend wichtig ist eine sichere und zuverlässige Infrastruktur.

Auf was könntest Du in Deinem Leben nicht verzichten?

Auf die Zeit in der freien Natur in unserer wunderbaren Bergwelt. Diese Zeit gibt mir Energie und Kraft. Es ist ein wunderbarer Ausglich in meiner technischen Welt.

Und noch zum Schluss. Wenn Du eine Sache auf der Welt verändern dürftest: Was wäre das?

Ich wünsche mir mehr Toleranz und Rücksicht zwischen den Menschen.

Herzlichen Dank für deine Zeit und deine Offenheit in diesem Gespräch.